Last Night A DJ Saved My Life...<3*

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Schlag auf Schlag

Mein Name ist Alexandra und ich bin zur Zeit 15 Jahre alt. Ich wohne in Detmold/Remmighausen. Meine Eltern sind geschieden, doch beide haben wieder neu geheiratet. Unter anderem geht es in dieser Geschichte auch um meinen Vater.

Sie beginnt jedoch mit dem Tod meines Opas der mit 63 Jahren an Krebs verstorben ist. Zu diesem Zeitpunkt war ich 13. Damit geht die Geschichte auch weiter. Als wir aus dem Urlaub wieder kommen nimmt die Tragödie seinen schrecklichen Lauf.

Es war der 06.06.2004 als gegen neun Uhr abends das Telefon klingelte, ich nahm ab! Es war meine Mutter, sie weinte!
„Mama? Was ist los?“.
„Opa ist grade verstorben!“.
Ich konnte es nicht fassen! Mein Opa hat den Krebs nicht besiegen können.
Mir schossen Tränen in die Augen! Mein Opa? Das kann doch nicht sein!?
„Willst du Opa noch mal sehen?“, fragte meine Mutter.
Ich war mir nicht sicher! Kann ich ihn wohl noch sehen? Seinen regungslosen Körper da liegen zu sehen wird mir schwer fallen, aber ich will mich doch von ihm verabschieden, also sagte ich ja und meinte ich würde gleich vorbeikommen.
Sofort zog ich meinen Schlafanzug aus und sprang in meine Hose und in ein T-Shirt, zog meine Schuhe an und rannte los zu meiner Oma. Da sie nicht sehr weit weg wohnt, war ich in etwa 10 Minuten schon da. Ich klingelte. Meine Mutter öffnete die Tür und nahm mich weinend in Empfang. Aus der Küche fragte eine leicht verweinte und leise Stimme, wer da sei.
Meine Mutter räusperte sich und antwortete: „Alex ist hier. Sie will Opa noch ein letztes Mal sehen.“
Ich ging in die Küche und nahm meine Oma in den Arm, wir weinten.
„Wo ist Opa denn?“, fragte ich um ihn noch ein letztes Mal zu sehen.
„Er liegt wie immer in seinem Krankenbett, im Wohnzimmer.“, antwortete meine Oma.
Ich ging ins Wohnzimmer. Da lag er. Er war blass und es sah aus, als würde er, wie er es so oft getan hat, ein Nickerchen machen. Ich fing an zu weinen, weil ich es einfach nicht glauben konnte, schließlich war er erst 63.
Meine Schwester kam weinend rein und nahm mich in den Arm.
Dann klingelte es an der Tür. Meine Tante öffnete die Tür und ich sah zu ihr. Vor der Tür standen zwei Männer, ganz in Schwarz gekleidet.
„Guten Abend. Wir sind vom Bestattungsinstitut. Wir möchten ihn unser Mitgefühl aussprechen.“
Sie kamen ins Wohnzimmer, stellten sich vor das Krankenbett und falteten die Hände. Anscheinend beteten sie. Wieder schossen mir die Tränen in die Augen und ich fing an zu weinen.
Sie kamen mit so einer Art schwarzen, riesen großem Plastiksack. Sie öffneten diesen ‚Sack’ durch einen Reißverschluss. Ein Mann nahm meinen Opa an dem Kopf der andere nahm ihn an den Fußgelenken. Sie legten ihn in diesen ‚Sack’ und schlossen ihn wieder.
Der Anblick war schrecklich, daran zu denken, dass der eigene Opa dort drin liegt. Es war grausam.
Kurz danach fuhren wir wieder nach Hause. Der Sonntag ist vorrüber gegangen und der Montag war angebrochen. Es war Schule und ich hatte mich entschlossen trotzdem zur Schule zu gehen, da ich den Stoff jetzt nicht verpassen durfte. Zwar konnte ich mich kaum konzentrieren, aber die Hauptsache war, dass ich anwesend war.
Der Montag verlief wie fast jeder andere Tag, nur das an diesem Tag mehr geweint wurde als alles andere. Die Tage liefen an mir vorrüber.
Am Mittwoch konnten wir in die Kapelle gehen, um dort noch ein letztes Mal Abschied von ihm zu nehmen.
Ich ging mit meiner Schwester Denise und meiner Tante als erstes in die Kapelle. Dort lag mein Opa, in seinem eigenen Sarg. Es schien mir als würde er schlafen. Wieder fing ich an zu weinen. Ich kam mit dem Gedanken nicht klar, dass er tot sein soll. Ich rannte aus der Kapelle und dann wollte ich so schnell wie möglich nach Hause.
Der Freitag war da. Die Beerdigung stand vor der Tür. Ich stand früh auf und machte mich fertig. Meine Mutter, mein Stiefvater und ich gingen in die Kirche. Alle waren da: Meine Großeltern, also die Eltern meines Vaters, meine andere Oma, meine Stiefmutter, meine Mutter, mein Stiefvater, mein Vater, einfach alle.
Die Kirche war voll bis zum Anschlag. Die Beerdigung verlief und nahm seinen Lauf. Mein Vater war auch bitterlich am weinen, da er sehr viel mit meinem Opa zu tun hatte. Nach der Trauerfeier ging ich nach Hause. Ich war erschöpft.
Die Zeit verging. Meine Mutter beschloss, mit meinem Stiefvater, meiner ältesten Schwester Stefanie und mit mir in den Urlaub zu fahren, als Erholung von dem ganzen Stress. Also flogen wir Mitte August nach Bulgarien. Hätte ich gewusst wie dieser Urlaub enden wird, wäre ich nie wieder zurück geflogen.
Die erste Woche in Bulgarien war vergangen. Wir hatten eine Menge Spaß und das Wetter war toll. Dann rief Denise, meine andere Schwester, mich an. Ich fragte, ob alles in Ordnung sei, doch sie zögerte. Ich fragte was sie habe, doch sie antwortete nur, dass sie nach dem Urlaub unbedingt mit mir und Stefanie sprechen muss. Dann legte sie ohne ein Wort zu sagen auf.
Was war los? Ist was passiert? 1000 Fragen schossen mir durch den Kopf.
Der Abreisetag war nun da. Ich war einerseits traurig, dass wir schon wieder nach Hause mussten, doch zugleich auch ein bisschen froh, da ich nun bald wissen werde, was zu Hause denn passiert ist.
Der Flug war super und meine Stieftante und Denise empfingen uns. Ich fuhr bei Denise mit und die anderen drei bei meiner Stieftante.
Erst hatte ich gar nicht daran gedacht, dass sie mit mir sprechen wollte, doch dann fiel es mir wieder ein.
„Weswegen wolltest du denn jetzt mit mir reden? Ist was passiert?“, fragte ich neugierig.
„Es geht um Papa. Er liegt im Krankenhaus.“
Oh mein Gott. Mein Vater hatte einen Unfall. Hat er sich wohl was gebrochen?
„Hatte er einen Unfall?“, fragte ich weiter.
„Nein, nicht direkt. Er wird morgen operiert. Papa hat Leberkrebs!“
Ich war schockiert. Wir kommen aus dem Urlaub wieder, weil wir uns von dem Stress, wegen meinem verstorben Opa, der auch Krebs hatte, erholen wollten und jetzt das? Das kann doch nicht sein.
Wir fuhren nach Hause um die Koffer wegzubringen. Sofort ging ich zu meiner Schwester und meinen Eltern und ich flehte sie an, sofort mit mir ins Krankenhaus zu fahren. Wir tranken noch etwas und fuhren dann los.
„Auf welcher Station und in welchem Zimmer liegt er denn?“, fragte ich neugierig als wir in der Eingangshalle des Krankenhauses waren.
„Station 3a, Zimmer 365.“, antwortete meine Schwester und ich rannte sofort los.
Ich wollte unbedingt zu meinem Vater. Mit Panik in den Augen rannte ich durch den Flur und suchte verzweifelt nach seiner Zimmernummer. Endlich! Da war sie. Zimmer 365.
Ich klopfte und wartete nicht mal auf Antwort, sofort riss ich die Tür auf und rannte weinend zu meinem Vater an sein Krankenbett. Ich nahm ihn in den Arm und weinte die ganze Zeit. Er drückte mich fest und fragte, was los sei. Ich sagte ihm, dass ich Angst habe ihn zu verlieren, genau wie meinen Opa.
„Ach Quatsch! Ich werde morgen operiert und dann ist wieder alles in Ordnung! Okay?“, fragte er und er sah mich an.
Ich schaute ihm in die Augen und nickte. Er tat so als ob er keine Angst haben würde, doch in seinen Augen sah man genau wie ängstlich sie einen ansahen.
Ich hörte auf zu weinen und erst jetzt bemerkte ich, dass wir nicht alleine waren. Meine Oma und mein Opa, also die Eltern meines Vaters, und meine Stiefmutter, also die Frau meines Vaters, saßen auch da. Ich begrüßte alle mit einer Umarmung und ich sah, dass meine Oma Tränen in den Augen hatte. Meine Schwester kam nun auch endlich ins Zimmer. Alle saßen in dem Zimmer und niemand sagte etwas. Diese endlose Stille machte mich wahnsinnig und ich machte mir Gedanken darüber, was wohl wäre wenn mein Vater den Krebs nicht besiegen wird!? Ich konnte mir darauf keine Antwort geben. Eine Stunde lang saßen wir nun da und es sagte noch immer niemand auch nur ein Wort. Wir entschlossen uns nach Hause zu fahren.
Es war schon abends. Ich war total müde, da ich den ganzen Tag über geweint habe, also beschloss ich ins Bett zu gehen. Trotz das ich so müde war, konnte ich kaum schlafen. Die ganze Zeit dachte ich an meinen Vater und die Tränen liefen mir immer wieder die Wangen herunter. Gegen fünf Uhr morgens bin ich dann doch noch eingeschlafen. Ich schlief bis Mittags. Ich wachte mit dem Gedanken an die Operation sofort auf und ich versuchte die ganze Zeit mich abzulenken, doch die Zeit ging so langsam rum. Ich dachte die Zeit steht still. Ich saß in meinem Zimmer und ich fühlte mich so einsam und verlassen mit dem Gedanken an meinen Vater.
Abends bin ich sofort ins Krankenhaus gefahren. Als ich an seinem Bett stand, sah es aus, als würde dort nur noch sein Körper liegen. Er schlief. Ich ging zu einem Arzt und fragte, was denn nun mit meinem Vater sei und er sagte mir, dass er die OP gut überstanden hat und jetzt noch schläft wegen der Narkose. Ich war überglücklich und schrieb meinem Vater einen kleinen Zettel, auf dem stand:
„Hallo Papa,
ich wollte dir nur sagen, dass ich hier war und mit dem Arzt gesprochen habe, der mir gesagt hat, dass du die OP gut überstanden hast. Ich Hab Dich Lieb!
Deine Alex!“.
Beruhigt fuhr ich nach Hause und packte meine Tasche da die Sommerferien nun vorbei waren. Ich legte mich ins Bett und dachte nach. Was habe ich denn tolles in den Sommerferien erlebt? Eigentlich gar nichts! Mit diesem Gedanken schlief ich ein.
Die Schule ging wieder los und die Ferien waren vorbei. So konnte ich mich in der Schule ein bisschen ablenken und keiner konnte so richtig fassen, was eigentlich zu Hause bei mir los war.
Rabea, meine beste Freundin, nahm mich in den Arm. Auf sie kann ich zählen. Sie ist immer für mich da, egal was los ist.
Als ich aus der Schule kam, kam meine Mutter zu mir.
„Papa ist wach geworden. Wir können ihn besuchen!“
Ich schmiss meine Schultasche in die Ecke und sprang sofort ins Auto.
Ich kam ins Zimmer und da lag er. Es war ein schrecklicher Anblick. Er war total verkabelt. Ein Kabel war in seinem Arm, mehrere führten zu seiner Brust. Einfach überall waren Kabel und Monitore. Vorsichtig nahm ich ihn in den Arm und sagte leise: „Wir schaffen das!“.
Mein Vater blickte mich an und er lächelte. Er konnte nur ganz leise sprechen, da er noch etwas benommen war wegen den vielen Medikamenten. Nach etwa einer halben Stunde kam dann auch meine Stiefmutter dazu. Mit dem Gedanken, dass er nicht alleine da liegt, sind meine Mutter und ich schließlich gefahren.
Etwa eine Woche später wurde mein Vater entlassen. Als das Wochenende angebrochen war entschloss ich mich, auf mein Fahrrad zu springen und ihn zu besuchen. Nach etwa 45 Minuten Fahrt, bin ich angekommen. Er wohnt in einem kleinen Dorf das sich Reelkirchen nennt. Das liegt kurz vor Blomberg.
Ich klingelte. Als meine Stiefmutter mir die Tür öffnete, konnte man an ihrem Gesichtsausdruck sehen, wie erleichtert sie war, dass Papa wieder zu Hause war und die OP gut überstanden hat.
Als ich ins Wohnzimmer kam, sah ich dort auch schon meinen Vater liegen. Er sah noch etwas erschöpft aus, doch er ließ sich nichts anmerken.
„Na, wie geht’s dir? Hast du noch Schmerzen?“, fragte ich ihn nachdem wir uns begrüßt hatten.
„Ein bisschen. Die Narbe tut noch ein bisschen weh, aber mir wurde eine Creme gegeben, dann verheilt sie schneller!“, sagte er. Er lächelte mich an. Wir unterhielten uns die ganze Zeit über ihn, wann die Fäden von der Narbe gezogen werden, wie viele Medikamente er jetzt nehmen muss, wann die erste Nachuntersuchung ist etc. Wir hatten es nun schon viertel nach 6, die Stunden sind vergangen und es wurde auch schon dunkel. Da ich ja nun noch mit dem Fahrrad nach Hause fahren musste und ich etwa ne Stunde brauchen würde, entschloss ich, mich auf die Socken zu machen.
Als ich wieder in Remmighausen ankam, erzählte ich meiner Mutter alles was mein Vater mir erzählt hat, zu den Medikamenten, den Nachuntersuchungen und, und, und.
Wochen vergingen und meinem Vater ging es gut, die Narbe war verheilt, die Fäden gezogen, es war einfach nur schön mit anzusehen, wie gut es ihm wieder ging.
Dann kam der Oktober. Seine erste Nachuntersuchung stand ihm bevor. Ich saß in der Schule und ich konnte mich gar nicht konzentrieren, geschweige denn an etwas anderes denken als an meinen Vater. Tausend Fragen gingen mir durch den Kopf:
Haben sich neue Krebszellen gebildet? Wenn ja, wo? Kann man sie entfernen?
Ich hab ein der Schule mit kaum jemandem gesprochen, geschweige denn, mich im Unterricht beteiligt!
Auch als ich zu Hause war ließ die Nervosität nicht nach. Ich rief meine Mutter auf der Arbeit an.
„Hast du was von Papa gehört?“, fragte ich, und ich hoffte das sie sagte, dass alles in Ordnung sei, doch sie wusste genauso wenig wie ich.
Ich versuchte mich abzulenken. Ich nahm mir ein Buch das ich vor ein paar Jahren mal angefangen hatte und ich dachte mir, jetzt könnte ich es weiter lesen. Ich las und las, aber mit einem Hintergedanken:
Wie geht es Papa?
Endlich! Es war abends. Nun ist er bestimmt zu Hause und ich schnappte mir das Telefon. Ich wählte seine Telefonnummer so schnell wie nie zuvor.
„Rühl!?“, meldete sich meine Stiefmutter mit ruhiger Stimme.
„Ich bin es, Alex. Gib mir bitte Papa. Ich muss unbedingt mit ihm reden.“, sagte ich aufgeregt in den Hörer.
„Tut mir leid, Alex….“, sagte sie.
Die Angst stieg in mir hoch. Tut mir leid? Was tut ihr leid?
„…er schläft grade.“, fügte sie hinzu.
Mir fiel ein Stein vom Herzen als sie das sagte. Aber trotzdem wollte ich unbedingt wissen was die Nachuntersuchung ergeben hat, also fragte ich sie.
„Weißt du denn was die Nahuntersuchung ergeben hat?“.
„Ja, er ist vor etwa einer Stunde wieder gekommen. Er sagte nur, dass sie nichts gefunden haben. Dann ist er schon eingeschlafen.“
„Okay, dann weiß ich bescheid. Danke!“, rief ich noch in den Hörer und ich legte auf.
Mein Vater ist geheilt! Ich war überglücklich. Ich war so glücklich, dass ich nur noch die Haustür öffnete und ich einfach nur lief. Ich lief die ganze Zeit durchs Dorf mit einem Lachen im Gesicht und immer wieder rief ich: „Mein Vater ist geheilt! Mein Vater, er ist gesund!“.
Die Zeit rannte so schnell an mir vorbei, denn als ich nach Hause kam, war es schon halb 10. Ich lief voller Freude strahlend in mein Zimmer und drehte die Musik auf. Ich war so überglücklich, dass ich anfing zu tanzen und zu singen. Am liebsten hätte ich die ganze Welt umarmt und das Fenster geöffnet und einfach nur geschrieen. Ich wollte meine Freude, dass mein Vater gesund ist, nicht verbergen, sondern sie der ganzen Welt mitteilen und zeigen.
Am nächsten Tag in der Schule war ich so fröhlich, wie noch nie in meinem ganzen Leben. Ich nahm Rabea in den Arm und schrie immer wieder: „Er ist gesund!“.
Sie fing anzulachen und wir freuten uns wie die Murmeltiere.
Alle starrten uns komisch von der Seite an, weil wir aus dem Lachen und aus der Freude nicht mehr raus kamen. Keiner konnte mich so richtig verstehen, nur Rabea.
Die Zeit verging und meinem Vater ging es super. Ich war so fröhlich.
Dann war endlich der 10. November, mein 14. Geburtstag. Ich wollte mit meinen Verwandten feiern. Alle sollten sie zum Kaffeetrinken kommen. Dann kam mein Vater. Ich sprang ihm in die Arme und ich fing vor Freude anzuweinen und sagte nur: „Ich bin so froh das du meinen 14. Geburtstag noch mit mir feiern kannst.“
Er lachte und sah mich an.
„Glaubst du wirklich ich hätte deinen Geburtstag nicht mehr erlebt?“.
„Ich habe es nicht geglaubt, ich hatte Angst davor!“, sagte ich zu ihm.
Er kam rein und gab mir einen Kuss auf die Wange und flüsterte, „Ich Hab Dich Lieb!“, in mein Ohr.
Als alle meine Gäste da waren, hatten wir alle zusammen sehr viel Spaß. Wir haben gelacht, Witze gemacht und über meinen vor 5 Monaten verstorbenen Opa gesprochen, den wir alle sehr vermissten, und darüber das ich bald Konfirmation habe, auf die ich mich schon sehr freute.
„Opa hatte sich so sehr auf deine Konfirmation gefreut!“, sagte meine Oma und sie sah mich mit einem kleinen Lächeln an.
„Er freut sich jetzt bestimmt auch darauf. Denn ich denke, er wird trotzdem an meiner Konfirmation irgendwie dabei sein!“, erwiderte ich. Dann lief mir eine Träne über die Wange. Es machte mich traurig, daran zu denken, dass mein Opa bei meiner Konfirmation zwar geistig anwesend sein wird aber nicht körperlich, sodass ich ihn in den Arm nehmen könnte.
Schnell wusch ich die Träne aus meinem Gesicht. Ich wollte nicht zeigen, dass es mich so traurig machte, weil es mein Geburtstag war, und das ein fröhlicher Tag sein sollte.
Mein Vater und seine Frau blieben am längsten. Ich fand es toll Zeit mit meiner Vater zu verbringen, auch wenn ich manchmal ein ganzes Wochenende lang bei ihm war, trotz das es manchmal etwas langweilig war.
Nachdem auch mein Vater und Heike, seine Frau, gegangen waren, räumten meine Mutter und ich auf. Es war ein schöner Tag. Aber trotzdem war ich ein bisschen traurig, da mein Opa meinen 14. Geburtstag leider nicht mehr miterleben konnte.
Am nächsten Tag, ein Donnerstag, erzählte ich allen was für einen tollen Geburtstag ich doch hatte.
Nach der Schule ging ich sofort nach Hause. Kurz nachdem ich in die Tür kam, klingelte auch schon das Telefon. Es war mein Papa. Im ersten Moment freute ich mich sehr über diesen Anruf, doch dann erzählte er mir warum er eigentlich anrief.
„Du, die nächste Nachuntersuchung ist bald!“, sagte er mit leiser Stimme. Man konnte raus hören, dass er etwas ängstlich war.
„Und wann?“, fragte ich besorgt.
„Am 21. Dezember!“.
Oh mein Gott! Kurz vor Weihnachten, dachte ich. Was wenn man doch noch wieder irgendwelche Zellen findet? So kurz vor Weihnachten.
„Ach, das wird ein Klacks!“, sagte mein Papa um mich zu beruhigen.
„Na hoffentlich!“.
Ich war die ganze Zeit in Gedanken. Was wäre wenn…?
Doch ich versuchte mir Hoffnungen zu machen, dass alles gut ausgehen wird. Immer wieder redete ich mir ein, dass er es schaffen wird, dass er die Kraft dafür hat.
Der Freitag verging wie alle anderen Tage.
Am Samstag entschloss ich mich zu meinem Vater zu fahren. Wir redeten und redeten. Ihn da zu sehen wie er lacht und wie gut es ihm ging tat mir richtig gut. Das machte mir immer mehr Hoffnungen und ich war leicht beruhigt.
Alles war wie immer: Wir haben gelacht, Späße gemacht, wir waren albern, alles war genauso, wie es früher war.
Als ich auf dem Weg Richtung Remmighausen war, machte ich mir Gedanken darüber, wie es wohl in einem Jahr sein wird.
Werden wir da noch genauso lachen können? Werden wir dann noch so viel Spaß haben? Wird er dann überhaupt noch leben?
Der Gedanke daran war schrecklich. Doch schnell habe ich diesen schrecklichen Gedanke aus meinem Kopf gelöscht. Ich wollte da einfach nicht drüber nachdenken.
Zu Hause legte ich mich gleich schlafen. Ich war total müde und wollte einfach nur in mein Bett.
Die Zeit verging wie im Flug und schon stand der 21. Dezember vor der Tür. Ich bekam es mit der Angst zu tun, wenn ich daran dachte, dass er so kurz vor Weihnachten wieder Krebszellen in seinem Körper haben könnte.
Den ganzen Tag lang war diese bittere Angst und diese schreckliche Nervosität in meinem Körper. Auf einmal stellte ich mir immer wieder die selbe Frage: „Warum?“.
Ich konnte sie einfach nicht beantworten.
Zu Hause saß ich auf meinem Bett und ich dachte die Zeit steht still. Der Nachmittag wollte einfach nicht vorbei gehen.
Der lang ersehnte Abend war nun endlich da und ich konnte bei meinem Vater anrufen.
Ich hatte Angst vor diesem Anruf. Doch ich wollte wissen was los ist.
Ich wollte grade zum Hörer greifen, als das Telefon plötzlich klingelte.
„Alexandra Rühl!“, meldete ich mich und plötzlich wurden meine Knie ganz weich.
„Hier ist Papa. Ich wollte nur sagen, dass die Nachuntersuchungen nichts ergeben haben. Es bleibt alles beim Alten.“, sagte er und damit beruhigte er mich aufs weitere.
Ich war so glücklich. Der liebe Gott hat doch ein Herz.
Ich sprang durch mein Zimmer wie ein Floh durchs grüne Gras.
Ich konnte es nicht fassen. Mein Vater ist gesund!
Noch nie war ich so glücklich wie an den Tagen der Nachuntersuchungen wenn sie gut ausgegangen waren.
Allen teilte ich diese gute Nachricht mit. Alle sollten an meinem Glück teilhaben und sich mit mir freuen. Ich werde meinen Vater nicht verlieren, er wird bei mir bleiben.
Weihnachten war nun da. Ich konnte Weihnachten mit meinem Vater verbringen. Das machte mich so glücklich.
Doch ich dachte immer wieder daran, dass dieses sein letztes Weihnachtsfest sein könnte.
In den Weihnachtsferien war ich ganz oft bei ihm. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht. Neujahr konnte ich allerdings nicht bei ihm sein, da ich mit meiner Mutter und meinem Stiefvater Silvester gefeiert habe.
Die Ferien gingen vorüber und im März stand auch schon wieder die nächste Nachuntersuchung an. Und wieder bekam ich es mit der Angst zu tun.
Der Tag war angebrochen. Diesmal war die Angst nicht so groß wie sonst, da ich mir immer einredete, dass die letzten Male nichts war, dann wird diesmal auch nichts sein.
Obwohl ich weniger Angst wie sonst hatte, ging die Zeit wie immer langsam um, als ob die Zeit still steht.
Ich kam nach Hause und wollte mich ablenken. Also nahm ich mein Buch wieder zur Hand und versuchte mich dadurch abzulenken ohne irgendeinen Hintergedanken.
Ich las, las und las. Bis 18.30 Uhr, dann nahm ich das Telefon um bei meinem Vater anzurufen.
„Rühl!?“, meldete sich mein Vater mit seiner dunklen Stimme.
„Ich bin es, Alex! Na, was hat die Nachuntersuchung ergeben? Ist zwar ne blöde Frage, weil, wieso sollte denn jetzt bei der dritten Nachuntersuchung was sein, wenn bei den letzten schon nichts war! Aber egal, erzähl, ich habe ein offenes Ohr für dich!“, plapperte ich daher.
Die Antwort meines Vaters erschütterte mich und mein Herz blieb für ein paar Sekunden stehen.
„Nichts ist so wie sonst auch. Der Leberkrebs ist wieder da. Die Ärzte haben neue Krebszellen gefunden. Die können sie aber nicht entfernen, weil sie mir bei der OP 80% der Leber entfernt haben und mehr geht nicht.“
Der Hörer fiel mir vor Schreck aus der Hand. Ich hob den Hörer auf und hörte meinem Vater wieder zu.
„Ich bekomme nun Chemo und dann muss ich pro Tag 9 Tabletten schlucken, dann werden wir weiter sehen. Aber jetzt mach dir keine Sorgen!“, redete er mir zu.
Doch ich wollte es einfach nicht glauben. So sollte das neue Jahr also anfangen. Ein guter Beginn, dachte ich mir.
Ich legte auf und schmiss mich auf mein Bett. Ich weinte den ganzen Abend, die ganze Nacht.
Am nächsten Morgen kam ich mit verweinten Augen in die Schule. Natürlich habe ich Rabea alles erzählt und sie tröstete mich.
Die Traurigkeit war in mir verwurzelt. Ich konnte nicht loslassen und wieder an etwas anderes denken. Ich war nur noch am heulen.
Der 25.April 2005 war nun da. Der 47. Geburtstag meines Vaters. Ich fuhr sofort zu ihm und gratulierte ihm. Ich war traurig, weil ich immerzu daran dachte, dass dies wohlmöglich sein letzter Geburtstag sein wird.
Trotzdem feierten wir ihn mit allen Verwandten, doch lachen konnte ich an diesem Tag nicht. Nichts war wie an meinem Geburtstag. Die Fröhlichkeit war verschwunden.
Kurz nach seinem Geburtstag musste er wieder zum Arzt. Der Arzt stellte fest, dass sich in der Hüfte und in dem Schultergelenk Krebszellen festgesetzt hatten.
Diagnose: Knochenkrebs.
Warum? Diese Frage stellte ich mir immer wieder.
Erst starb mein Opa, dann bekam mein Vater Leberkrebs, dann war alles in Ordnung, jetzt hat er wieder Leberkrebs und Knochenkrebs!?
Plötzlich kam in meinem Leben alles Schlag auf Schlag.
Der 01. Mai war da, meine Konfirmation. Dieser Tag war ein schöner Tag. Mein Vater war da und wir feierten bis zum Umfallen.
Alle waren wieder glücklich, aber auch nur, weil alle vergessen haben, wie es meinem Vater eigentlich ging. Aber ich wollte auch nicht, dass an meiner Konfirmation alle traurig sind.
Der Tag nahm seinen Lauf. Es wurde gefeiert, gelacht, getrunken, getanzt!
Etwa 2 Wochen nach meiner Konfirmation ging mein Vater zum Arzt, da er beim Atmen immer ein Stechen in der Brust hatte.
Und wieder kam eine erschütternde Nachricht auf die andere.
Mein Vater wurde gründlich untersucht und der Arzt wusste auch nun was bei meinem Vater das Stechen in der Brust ausmachte.
Diagnose: Lungenkrebs!
Alles wurde immer schrecklicher. Mein Vater kämpfte jedoch immer weiter gegen den Krebs an. Er lebte einfach sein Leben weiter, wenn man das überhaupt noch Leben nennen konnte oder durfte.
Das Stechen in der Brust ließ nach einer Zeit nach. Man wusste wie krank er war, doch er ließ sich nichts anmerken. Immer wieder fragte ich ihn, „Hast du denn Schmerzen?“, und immer wieder antwortete er, „Nein, du siehst doch, es geht mir gut!“. Glauben konnte ich ihm das allerdings nicht so richtig, aber warum, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich einfach nur wegen der Vorstellung daran: Wenn man doch Leberkrebs, Lungenkrebs und Knochenkrebs hat muss man das doch irgendwie merken!? Doch immer wieder wenn man ihn fragte, ob er Schmerzen habe, beteuerte er es immer wieder, dass er keine Schmerzen habe.
Eines Tages merkte man jedoch, dass er Schmerzen haben muss:
Als wir abends am Abendbrottisch saßen und er sich sein Brot machen wollte, konnte er das plötzlich nicht mehr. Er konnte seinen rechten Arm nicht mehr richtig bewegen. Selbst das eingießen von Getränken in sein Glas fiel ihm schwer. Sofort rieten wir ihm zum Arzt zu gehen. Zum Glück ging er auch, denn eigentlich geht er wegen, seiner Meinung nach, Kleinigkeiten, nicht zum Arzt.
Gleich rief er den Arzt an und mein Vater bekam auch gleich einen Termin, schließlich war das ein kleiner „Notfall“.
Ich hatte Angst. Was ist los mit ihm?
Ich saß zu Hause, hörte das Lied von meinem Vater und mir, Beatles – Let it be, und weinte nur noch bitterlich. Die Tränen liefen und liefen. Sie rollten stundenlang über meine Wangen. Trotz meiner Angst, machte ich mir immer wieder Hoffnungen, dass er vielleicht „nur“ eine Gelenksentzündung hat, oder irgendetwas Ähnliches.
Nun war der ersehnte Arztbesuch. Die Angst in mir brodelte nur so hoch. Ich lief in meinem Zimmer hin und her und konnte keine Minute ruhig stehen, geschweige denn sitzen.
Nachdem der Arztbesuch nun etwa zweieinhalb Stunden zurück lag versuchte ich sofort bei meinem Vater anzurufen. Am Hörer zu sitzen und dieses klingeln zu hören machte einen verrückt. „Wieso geht denn keiner ans Telefon?“, dachte ich, obwohl es erst zweimal geklingelt hatte. Diese zweimal kamen mir aber vor wie tausende Male.
Ich wollte grade auflegen als jemand den Hörer abnahm.
„Rühl!?“, meldete sich meine Steifmutter leise. Ihre Stimme hörte sich komisch an.
„Gib mit bitte sofort Papa! Hier ist Alex.“, schrie ich verzweifelt in den Hörer.
Sie reichte den Hörer ohne was zu sagen an meinen Vater weiter.
„Ja?“.
„Ich bin es, Alex. Was ist los? Was haben die Untersuchungen ergeben?“, fragte ich ihn neugierig.
„Am besten ist es du kommst vorbei, dann kann ich dir alles genau erklären. Das dauert am Telefon zu lange.“, erwiderte er.
Sofort legte ich den Hörer weg, rannte in den Flur, zog meine Schuhe an, und fuhr los.
Meine Beine trampelten immer schneller. Ohne irgendwelche Gedanken fuhr ich, und immer schneller!
Endlich, ich war da! Die Fahrt hierher kam mir vor wie eine Ewigkeit, egal wie schnell ich doch war.
Ich rannte zur Haustür und klingelte Sturm, bis endlich meine kleine Stiefschwester die Tür öffnete. Ich sagte ihr weder Hallo, noch fragte ich wo Papa ist. Ich rannte schnurstracks ins Wohnzimmer, und da lag er. Er sah ziemlich fertig aus und dieser Anblick verursachte, dass mir die Tränen in die Augen schossen.
„Jetzt sag mir endlich was los ist!“, sagte ich zu ihm als wir uns ansahen.
„Ja, nun bleib ruhig und setz dich erstmal! Ich  habe dem Arzt gesagt, dass ich meinen Arm nicht mehr bewegen kann und das mir das vor etwa zwei oder drei Tagen aufgefallen ist.
Dann hat er mich untersucht und dann kam das Ergebnis. Er sagte, dass der Krebs mein Schulterblatt durchgefressen hat und ich nun eventuell ein neues Schultergelenk kriegen soll. Wenn ich jedoch ein neues Schultergelenk kriege, wird mir auch der Arm bis zur Hälfte amputiert.“, sagte er.
Ich war eigentlich zu schockiert um irgendetwas zu sagen aber ich musste wissen ob er das macht und deshalb fragte ich, aber er sagte, dass er es nicht machen wird, da er mit seinem Hausarzt gesprochen hat und der hat ihm geraten, dass wenn er keine Schmerzen hat es lieber lassen soll, da durch diese OP die Schmerzen nur noch schlimmer werden können.
Ich war ein bisschen beruhigt. Ich hatte gehofft, dass er es nicht machen wird.
Nach einiger Zeit fuhr ich schockiert zurück. Zu Hause redete ich mit meiner Mutter über alles, dann fingen wir beide an zu weinen.
In der Schule war ich auch nicht gut drauf. Ich konnte mich nicht ablenken und Rabea und Marit kamen zu mir und sprachen mit mir. Dafür war ich ihnen sehr dankbar.
Die Zeit verging. Doch Lachen konnte ich in dieser Zeit nicht so richtig. Mein Lachen kehrte nie wieder so zurück, wie es vor diesen ganzen Krankheitsfällen war.
Doch kam auch schon wieder die nächste Attacke.
Als ich Mitte Juni ein Wochenende bei ihm verbrachte ist mir aufgefallen, dass er sich an Sachen die er kurz vorher gemacht oder getan hat nicht mehr so ganz erinnern kann.
Jedoch sprach ich ihn nicht darauf an, weil ich nicht wusste ob er es mir glauben würde oder ob er „ausrasten“ würde und sagen würde, dass ich mir das nur einbilde.
Aber ich wusste, dass es keine Einbildung war. Aufgefallen ist mir das, als er mich über die Schule ausfragte.
„Und was macht die Schule? Schaffst du das Schuljahr?
„Ja klar schaff ich das. Zwar nur ganz knapp, aber ich schaffe es!“, beantwortete ich ihm seine Frage.
Dann sagten wir nichts mehr. Etwa fünf bis zehn Minuten später fragte er wieder.
„Glaubst du denn, dass du das Schuljahr schaffst oder eher nicht?“.
Ich wusste im ersten Moment nicht  was ich sagen sollte, dann aber gab ich ihm dieselbe Antwort wie kurz davor.
Zu Hause saß ich in meinem Zimmer und ich weinte. Ich wollte einfach nur alleine sein. Niemanden erzählte ich auch nur irgendetwas davon. Ich hatte Angst, dass mir niemand glauben würde, also behielt ich es für mich.
Dann war es etwa August. Mein Vater konnte nicht mehr richtig laufen und bekam eine Krücke als Stütze. Außerdem bekam er einen 100% Schwerbehindertenausweis, da, so der Arzt, er schon so Krank wäre, dass man ihn den ausstellen müsste. Autofahren durfte er nun auch nicht mehr.
Eines Tages wollten wir einen Spaziergang machen. Nur mein Vater und ich. Ich wollte, dass er ein bisschen an die frische Luft kommt. Jedoch mussten wir nach etwa 15 Minuten wieder umdrehen, da er nicht lange laufen konnte.
Beim nächsten Arztbesuch wurde das dem Arzt erzählt, dass er nicht lange laufen kann, und der besorgte für meinen Vater, für längere Strecken, einen Rollstuhl.
Es war schrecklich zuzusehen, wie es langsam mit meinem Vater dem Ende zuging. Nun saß er auch schon im Rollstuhl. Es war einfach nur ein schrecklicher Anblick.
Aber mein Vater sagte immer wieder, dass er den Krebs besiegen wird und machte noch Zukunftspläne. Er wollte gerne im Oktober noch auf das Oktoberfest fahren. Das war sein großer Wunsch.
Als ich bei ihm war, erzählte er immer, wie viel er noch vor habe. Das machte mich traurig. Ich ging in die Küche und ich weinte. Plötzlich stand mein Vater im Zimmer.
„Mensch Alex, was ist los?“, fragte er und er setzte sich zu mir und nahm mich in den Arm.
„Ich habe Angst dich zu verlieren, dass du den Krebs nicht besiegen kannst. Das ich dich genauso verlieren werde, wie Opa!“.
„Ach Quatsch! Alex, du bist doch meine kleine Tochter, ich lass dich doch nicht alleine!“, sagte er und wir mussten beide weinen.
Nun saßen wir da, Arm in Arm und weinten. Nach einer Stunde etwa wusch ich mir das Gesicht und ich fuhr nach Hause.
In der Schule erzählte ich Rabea und Marit was vorgefallen ist und wieder musste ich weinen, doch Marit und Rabea waren für mich da.
Die Zeit verging und meinem Vater ging es immer schlechter. Er bekam zwar die ganze Zeit Chemo, doch die Hoffnung, dass er den Krebs besiegen wird, ließ mit der Zeit immer mehr nach.
Mein 15. Geburtstag stand vor der Tür. Wieder wollte ich, dass all meine Verwandten kommen und wir diesen Tag alle zusammen feiern. Als mein Vater in der Tür stand sprang ich ihm in die Arme und flüsterte leise: „Ich bin froh, dass du da bist!“.
Wir verbrachten diesen Tag zusammen, dass machte mich wieder glücklich.
Abends, als mein Vater fahren wollte, kam er noch zu mir, nahm mich in den Arm und sagte:
„Deinen 16. Geburtstag feiern wir zusammen, ganz groß. Dann gehen wir einen trinken!“, und wir lachten.
„Klar!“, sagte ich und ich verabschiedete mich von ihm.
Hätte ich gewusst, dass dies mein letzter Geburtstag mit meinem Vater sein wird, dann hätte ich ihn nie gehen lassen.
Mit der Zeit traute ich mich nicht mehr meinen Vater zu besuchen. Ich hatte Angst ihn leiden zu sehen und dabei hilflos neben ihm zu stehen. Ich konnte das nicht und deshalb fuhr ich immer weniger zu ihm, wegen dieser Angst. Heute bereue ich es.
Die Zeit verlief und Weihnachten 2005 war da. Ich wusste nicht ob ich an Weihnachten lachen oder weinen sollte.
Ich wollte lachen, dass ich Weihnachten noch mit meinem Vater verbringen konnte, und weinen, weil ich eigentlich wusste, dass dies vermutlich unser letztes Weihnachtsfest sein wird.
Weihnachten verbrachte ich zu Hause. Wir hatten Spaß, sogar ich, aber nur, weil ich nicht daran dachte, was mein Vater wohl denkt. Es musste ihm schrecklich gehen, den Gedanken zu haben, dass das sein letztes Fest sein wird.
Den ersten Weihnachtstag fuhr zu meinem Vater. Ich habe ihm ein selbst gemaltes Bild geschenkt. Ich habe auf einen Keilrahmen mit hellblauen Tönen einen Hintergrund gemalt und mit weiß darauf geschrieben, „Hab Dich Lieb!“. Er hat sich sehr darüber gefreut.
Da ich sehr müde war, weil ich die Nacht davor nicht sehr viel geschlafen habe, da ich nur geweint habe, bin ich auf dem Sofa kurz eingeschlafen.
Als ich aufwachte, bemerkte ich, wie mein Vater ein Foto von mir machte.
„Oh, hast du eine neue Kamera?“, fragte ich.
„Ja, die ist besser als die andere!“, antwortete er und lächelte.
Der zweite Weihnachtstag wurde wie jedes Jahr bei meiner Oma und meinem Opa, also bei den Eltern meines Vaters, verbracht. Es war ein schöner Tag. Alle Verwandten waren da. Es wurde über alles getratscht und wir haben viel gelacht. Mein Vater machte so viele Fotos von mir und meinen Schwestern und dann fragte ich:
„Wieso machst du  denn so viele Fotos von uns drein?“.
„Weil ich weiß, dass das mein letztes Weihnachtsfest sein wird, und dann kann ich mir die Fotos in ein Fotoalbum einkleben und sie mir immer wieder angucken, was für schöne Töchter ich habe, wie stolz ich auf euch sein kann und wie fröhlich wir mal waren.“
Ich musste weinen und ich lief ins Bad. Danach wusch ich mein Gesicht und ich ging wieder in das Esszimmer. Wir saßen bis etwa 10 Uhr da, dann fuhren alle nach Hause, auch ich.
Dann nahm alles Schreckliche seinen Lauf.
Am 30. Dezember 2005 fuhr mein Vater nach Lemgo um dort seine regelmäßige Chemo zu bekommen. Als er mit der Behandlung fertig war, fuhr er wie sonst auch nach Hause.
Plötzlich klingelte das Telefon und sein behandelnder Arzt war an der Strippe.
„Herr Rühl, ich möchte, dass sie sofort wieder kommen. Sie müssen stationär behandelt werden, da ihre Nierenwerte nicht in Ordnung sind.“
Mein Vater packte ein paar Sachen ein und rief mich an, um mir Bescheid zu sagen.
„Alex, ich muss ins Krankhaus, da meine Nierenwerte nicht stimmen. Ich wollte dir nur Bescheid sagen. Bitte mach dir keine Sorgen!“, sagte er.
Ich sagte ihm, dass ich nicht wüsste ob ich ihn besuchen kann, ihn da so liegen zu sehen, doch ich sagte ihm auch, dass ich ihn aufjedenfall besuchen werden wenn er wieder zu Hause ist und das wir dann da über alles reden werden. Seine Antwort war allerdings nur:
„Ja, wenn ich überhaupt noch mal nach Hause komme!“.
Ich war geschockt. Wie konnte er so was sagen? Ich konnte es nicht begreifen. Mein Vater schafft das, ich wollte, dass er es schafft.
Er wurde am 30. Dezember noch stationär im Krankenhaus aufgenommen. Er war schon ziemlich abgemagert, da er seit drei bis vier Wochen nichts mehr essen konnte.
Silvester war für mich kein wirklich freudiger Tag. Ich tat nach außen hin wohl so, als ob ich Spaß hätte, jedoch hatte ich die ganze Zeit nur meinen Vater im Kopf, wie er so hilflos in seinem Krankenbett liegt, und alle anderen feiern würden.
Ich konnte nicht begreifen wie alle feiern konnten, wo mein Vater doch zu dem Zeitpunkt im Sterben lag! Es war für mich ein Rätsel.
Die Feier war vorbei und das neue Jahr hat begonnen.
Ich entschloss mich zum neuen Jahr meinen Vater im Krankenhaus zu besuchen. Abends fuhren meine Mutter, mein Stiefvater und ich zu ihm.
Ich ging ins Zimmer und sofort fing ich an zu weinen. Meine Oma und mein Opa waren auch da.
Da lag er nun. Er sah schrecklich aus. Ich kann nicht mal mehr sagen, ob er überhaupt wusste, dass wir da waren. Er lag da, die Augen leicht geschlossen, die er aber immer wieder aufgerissen hat, als ob er sagen wollte, „Jetzt Nicht!“. Sein Mund war weit geöffnet. Es sah aus, als würde er keine Luft mehr kriegen. Ich kann nicht sagen, ob er geschlafen hat oder wach war, ob er mitgekriegt hat, dass wir da waren oder nicht.
Sofort rannte ich wieder aus dem Zimmer. Ich konnte doch nicht so hilflos mit ansehen wie mein Vater so langsam aber sicher seinem Ende entgegen ging! Irgendwer musste doch was tun! Warum hilft ihm denn keiner? Ich konnte nichts mehr begreifen.
Ich rannte in den Flur, ich weinte und brach zusammen. Mein Steifvater kam hinter mir her und tröstete mich. Ich hielt das alles nicht mehr aus. Warum er? Was hat er denn falsch gemacht? Ich konnte mir keine Antworten auf diese Fragen geben!
Nach etwa 10 Minuten ging ich nun doch wieder in sein Zimmer. Überall waren Kabel, genau wie bei der ersten OP im Jahr 2004, nur jetzt waren es noch mehr. Das Zimmer wirkte kalt und verlassen. Ich ging zu meinem Vater und ich nahm seine Hand.
„Papa? Ich bin es Alex! Ich bin bei dir. Halte durch. Du schaffst das!“.
Dann drückte er ein bisschen meine Hand. Hat er mitgekriegt das seine kleine Tochter, der er versprochen hat sie nie zu verlassen, da ist? Ich hoffte es so sehr.
Nach etwa einer Stunde, so gegen acht Uhr, sind wir wieder gefahren. Auf dem ganzen Rückweg musste ich nur weinen. Ich wollte meinen Vater doch nicht verlieren!
Die ganze Zeit hörte ich dieses Lied! Von Green Day – Time of your life, frei übersetzt: Zeit deines Lebens.
Als ich zu Hause war, saß ich vor dem PC und schaute mir mein Foto an. Auf dem Bild waren meine Stiefmutter, mein Papa und ich. Das war vor 7 Monaten, an meiner Konfirmation. Da war doch noch alles gut. Er hatte da zwar auch schon den Krebs aber es war nicht so, wie es jetzt ist. Was ist nur geschehen?
Am gleichen Abend kamen Rabea und Marit noch vorbei. Alle drei zusammen weinten wir. Sie sagten zwar immer wieder, „Deinem Vater geht es dort oben besser!“, doch ich hatte das Gefühl, sie verstanden mich nicht! Ich wollte meinen Vater bei mir haben, so wie jede andere 15-jährige auch einen Vater hat, so wollte ich meinen haben. Doch es sollte wohl nicht so sein. Gegen halb 10 sind die beiden wieder gegangen.
Kurz darauf kam meine große Schwester Stefanie aus dem Krankenhaus und kam noch zu uns.
„Mama, ich muss wieder ins Krankenhaus! Papa, wollte mir irgendetwas sagen!“, erzählte sie uns.
„Als ich aus der Tür gehe wollte, streckte er seinen Arm zu mir aus als ob er sagen will, dass ich ihn nicht alleine lassen soll!“.
Meine Mutter sagte ihr, sie solle sich keine Sorgen machen, da die Ärzte sagen, dass er diese Nacht überstehen wird. Sie fuhr nach Hause und ich ging auch ins Bett.
Um 3 Uhr Nachts wurde ich wach. Sofort sprang ich auf, zog mich an und machte mich fertig. Ich wollte gleich morgens zu meinem Vater fahren und den ganzen Tag bei ihm sein. Ich setzte mich vor den Fernseher und hoffte, dass die Zeit so schnell wie möglich vorbei ist damit ich ihn besuchen kann.
Gegen sieben Uhr kam meine Mutter rein. Sie hatte ihre Jacke bereits an.
„Guten Morgen!“, sagte ich. „Ich muss nur noch Schuhe und Jacke anziehen, dann können wir los!“, entgegnete ich und meine Mutter holte tief Luft.
„Es ist zu spät!“.
„Was ist zu spät? Es ist doch erst sieben Uhr! Du meinst wohl zu früh. Dürfen wir ihn so früh noch nicht besuchen?“, fragte ich.
„Er ist heute Nacht gestorben. Steffi war bei ihm. Sie ist wieder ins Krankenhaus gefahren. Er ist heute Nacht um 3 Uhr friedlich eingeschlafen.“
Ich brach zusammen. Ich konnte es nicht fassen. Es war vorbei. Mein Vater war nun endgültig gestorben. Er hatte es mir doch versprochen! Das konnte alles nicht wahr sein. Erst mein Opa, jetzt mein Vater.
Ich weinte, weinte und weinte! Ich wollte es nicht begreifen. Das konnte alles einfach nicht wahr sein. Die ganze Zeit habe ich gehofft, doch das Hoffen hat nichts gebracht!
Gegen acht Uhr fuhren wir zu meiner Oma und meine Opa, seinen Eltern.
Alle seine Schwestern und deren Ehemänner waren da, seine Töchter, und alle haben sie genauso geweint wie ich.
Wir wollten ihn noch mal sehen, also sind wir ins Krankenhaus gefahren. Der Weg ins Lemgoer Krankenhaus kam mir vor wie eine Ewigkeit. Die Zeit wollte einfach nicht vor rüber gehen.
Endlich! Wir waren da. Mein Vater lag im Keller. Es war schrecklich. Man guckt Filme und sieht, wie Leute in diesen Keller gehen und dort Leichen auf einem kalten Metalltisch liegen, die sie identifizieren müssen oder von denen sie Abschied nehmen wollen. Ich dachte immer, dass würde mir nie passieren, doch jetzt war es soweit: Auch ich bin in diesen Keller gegangen und zwar um von meinem eigenen Vater Abschied zu nehmen. Mein Opa, meine Oma, ich, meine Tanten deren Ehemänner sowie meine Cousinen, wir standen vor unserem Sohn, Bruder, Schwiegersohn und Vater! Keiner konnte so richtig fassen was eigentlich geschehen ist!
„Warum du? Du warst doch noch so jung!“, sagte mein Opa immer wieder mit verheulter Stimme.
Alle waren sie am weinen, und alle fragten sich: „Warum?“. Keiner konnte sich eine Antwort auf diese Frage geben. Es war kein schöner Anblick, in einem kalten Keller zu stehen und man muss von dem eigenen Vater Abschied nehmen. Ich wünsche es keinem!
Zu Hause wieder angekommen, sagte ich Rabea und Marit Bescheid.
Ich wollte nur noch alleine sein. Ich saß in meinem Zimmer und fühlte nichts: kein Schmerz, kein Leid, nichts! In mir war nur tiefe Dunkelheit und Leere! Und immer wieder dachte ich an den regungslosen Körper meines Vaters, der mir einen Schauer über den Rücken jagte. Sonst haben wir beide immer gelacht und rumgealbert und jetzt liegt er nur noch so da? Das kann einfach nicht wahr sein.
Mit der Traurigkeit verging auch die Zeit. Und immer wieder schrieb ich auf einen Zettel: „Andreas Rühl, 25. April 1958 – 02. Januar 2006.“
Der 02. Januar 2006, ein Montag, war der schlimmste Tag in meinem Leben!
An dem darauf folgenden Mittwoch konnten wir in die Kapelle fahren um ihn dort ein letztes Mal zu sehen.
Wir holten uns den Schlüssel und fuhren sofort in die Friedhofskapelle Reelkirchen.
Ich kam in einen Raum mit Kerzen. Dort stand auch der noch geöffnete Sarg meines eigenen Vaters. Wir hatten uns dazu entschlossen, dass er in seinem Trainingsanzug beigesetzt werden sollte, da er sich immer damit am wohlsten gefühlt hat.
Ich stand vor dem Sarg, und die Tränen rollten über meine Wangen. Ich konnte es noch immer nicht begreifen, wie das alles passieren konnte.
Er sah so blass aus! Ich packte ihm an seine Hand. Sie war weiß und eiskalt. An seiner Hand, sein Ehering. Der sollte dran bleiben, so wollte das meine Stiefmutter und ich fand auch, dass das eine gute Idee war. Dann sagte ich leise:
„Papa, ich hab noch was für dich!“, und ich zog das Bild aus meiner Tasche, das Bild, dass ich ihm zu Weihnachten geschenkt habe. Er hatte es noch nicht aufgehangen und somit entschloss ich mich, es ihm mit ins Grab zu geben. Es tat weh ihn da so liegen zu sehen. Sonst hat er immer gelacht wenn er mich sah, und jetzt? Es war alles so leer in mir und ich konnte nicht weiter mit ansehen, wie mein Vater in seinem eigenen Sarg liegt. Ich wollte nur noch nach Hause!
Zu Hause angekommen fiel mir ein, dass er die Bilder vom Weihnachtsfest gar nicht mehr ansehen konnte. Er hatte die Fotos extra noch gemacht, damit er sich immer an diesen Tag erinnern kann und an seine Töchter, auf die er so stolz war, wie er es zu mir an Weihnachten gesagt hatte. Nun hatte er gar nichts mehr davon. Das machte mich so traurig, dass ich den ganzen Tag lang nur noch weinte.
Ich ging auf mein Zimmer und auf meinem Schreibtisch lag sie, die Todesanzeige!
Es tat mir so weh, nun wusste ich, dass es die bittere Realität war! Ich weinte und weinte und ich konnte nicht mehr aufhören. Dann schlief ich ein.
Am Donnerstag, der 05. Januar, wachte ich auf und ich wusch mir mein Gesicht. Meine Augen waren vom viele weinen ganz rot und angeschwollen. Ich ging unter die Dusche und blieb dort eine halbe Stunde. Ich wollte alleine sein! Ich ging auf mein Zimmer und machte mich fertig. Ich zog meine schwarze Hose und mein schwarzes T-Shirt an, machte mir einen Zopf und machte mein schwarzes Haarband mit einer schwarzen Rose ins Haar. Ich wollte mich an diesem Tag ablenken und entschloss mich, zu lesen. Auf dem Küchentisch lag die aktuelle Zeitung, die ich mir dann zur Hand nahm und darin ein bisschen rumblätterte.
Da war der Sportteil, den mein Vater auch immer so gern gelesen hatte, unter anderem aus dem Grund, weil er selber eine eigene Fußballmannschaft hatte und sie regelmäßig trainierte und das noch bis zu seinem bitteren Ende. Er hat viel für den Sport getan.
Ich blätterte weiter. Dann fiel mir ein Zeitungsartikel in die Augen der die Traurigkeit in mir wieder aufstiegen ließ. Ihre Überschrift lautete: „Rühl †“.
Es ging um den plötzlichen Tod von ihm und wie viel er doch zum Sport beigetragen hat. Als ich den letzten Satz las, konnte ich meine Traurigkeit nicht mehr zurück halten.
„Unser Mitgefühl gilt seiner Gattin und seinen Kindern!“.
Ich schnitt die Anzeige aus und blätterte weiter. Die Todesanzeigen! Auch da war wieder eine Anzeige für meinen Vater. Sie war von seiner Mannschaft! Auch die schnitt ich aus.
Nun hatte ich insgesamt drei Zeitungsartikel anlässlich des Todes meines Vaters.
Die Todesanzeige, die Anzeige seiner Mannschaft und die Anzeige vom Sport. Ich saß über diesen Anzeigen und ich konnte nicht glauben, dass die Todesanzeigen für meinen Vater sein sollten.
Ich legte mich ins Bett und schlief ein.
Der 06. Januar war da. Es war die Beerdigung meines Vaters. Ich ging mit meiner Mutter und meinem Stiefvater in die Kapelle. Wir setzten uns.
Als die Orgel anfing zu spielen musste ich schon einmal schluchzen, doch ich holte tief Luft, um die Tränen noch ein bisschen zu verdrängen.
Die Pastorin erzählte über meinen Vater, wie er war, dass er ein lustiger Mensch war und man mit ihm viel Lachen konnte, aber auch, dass er auch schon mal böse werden konnte und dann manchmal ganz schön ausrasten konnte. Sie sagte auch, dass er ein totaler Fußball-Fan war und Sport für ihn immer an erster Stelle stand.
Dann machte sie das Lied an was wir auf seiner Beerdigung gespielt haben wollten. Es passte genau zu ihm.

Pur – Walzer für Papa

Ein Name und Zahlen auf einem Stein.
Ein Kreuz, eine Kerze und Blumen dabei.
Bescheiden und still, versöhnlich und schlicht,
kein Ort an dem man Belangloses spricht.
Letzte Ruhe, du hast dran geglaubt,
die Seele zu Gott, der Körper zu Staub.
Ich wünsch, dass du Recht hast, das wäre tröstlich,
dann weißt du ja jetzt, ich vergesse dich nicht.
Wir haben gestritten, uns angebrüllt.
Uns weh getan, Fehler gemacht.
Doch verzeihen, versöhnen, den ander'n verstehen,
hast du mir beigebracht.

Und jetzt steh ich hier und bin nah bei dir.
Ja, ich seh dich noch tanzen im 3/4-Takt,
mit Mama im Arm wie ihr beide laut lacht.
Das Gute verinnern, das blieb,
du warst mein Papa, ich hatte dich lieb!

Die wenigen Prügel, die hab ich verziehn,
und auch manche Rede ohne jeden Sinn.
Mit Lob hast du ehrlich gesagt oft gegeizt,
dafür hab ich dich bis auf's Blut gereizt.
Als ich als Kleiner das Fußballtor,
dann als Großer die Töne gut traf,
spätestens da fühltest du dich belohnt,
zum Glück, und nicht bestraft.

Und jetzt steh ich hier und bin nah bei dir.
Ja, ich seh dich noch tanzen im 3/4-Takt,
mit Mama im Arm wie ihr beide laut lacht.
Das Gute verinnern, das blieb,
weißt du das Papa, ich hatte dich lieb!

Bist am Ende der Krankheit erlegen,
in friedlich, erlösendem, schmerzlosem Schlaf.
Man kann doch nicht alles haben im Leben,
hast du oft gesagt und ich hab nur gelacht,
doch glaub mir, ich hab nachgedacht.

Und jetzt steh ich hier und bin nah bei dir.
Ja, ich seh dich noch tanzen im 3/4-Takt,
mit Mama im Arm wie ihr beide laut lacht.

Ja, ich seh dich noch tanzen im 3/4-Takt,
mit Mama im Arm wie ihr beide laut lacht.
Das Gute verinnern, das blieb,
weißt du das Papa, ich hatte dich lieb!

Und jetzt steh ich hier und bin nah bei dir.
Ja, ich seh dich noch tanzen im 3/4-Takt,
mit Mama im Arm wie ihr beide laut lacht.
Das Gute verinnern, das blieb,
glaube mir Papa, ich behalte dich lieb!

Bei dem Lied mussten alle weinen. Es hat noch mal so richtig an die schöne Zeit mit ihm erinnert. Nach dem Lied wurden noch ein Gebet und eine Rede gehalten und der Gottesdienst war vorbei.
Dann kamen sechs Leute aus seiner Mannschaft in den Trainingsanzügen der Mannschaft und haben den Sarg zum Grab gebracht. Die Familie ging hinterher. Ich war genau hinter dem Sarg und ich war nur am weinen. Ich hatte so weiche Knie, dass wen mich niemand gehalten hätte, ich in mich zusammengefallen wäre!
Dann war es soweit: Wir waren an seinem Grab angekommen und die Mannschaft ließ seinen Sarg langsam in sein Grab leiten.
Auf einmal stand ich davor, vor dem Grab meines Vaters! Ich konnte es einfach nicht fassen. Immer wieder hatten wir uns eingeredet, dass er es schaffen wird und jetzt? Jetzt ist alles vorbei!
Alle konnten nun noch einmal Abschied von ihm nehmen.
Nach der Beerdigung haben wir uns noch alle zum Kaffeetrinken getroffen. Da haben wir dann noch mal über alte Zeiten gesprochen, wie schön es doch manchmal war oder wie böse er doch manchmal wurde. Manchmal kamen Momente wo man sagte, „Das hätte Papa jetzt gesagt!“.
Das machte einen traurig, weil man wusste, dass man es nie wieder von ihm hören wird!
Nach dem Kaffeetrinken sind wir dann noch mal zum Friedhof gefahren. Nun war es zu, das Grab. Mein Vater war beerdigt worden und es lagen alle Kränze mit bunten Blumen darauf.
Ich konnte der Realität nicht ins Auge blicken.
Abends, zu Hause angekommen, legte ich mich sofort schlafen. Der Tag war für mich gelaufen und in drei Tagen war es Montag und die Schule ging wieder los, sodass ich mich dort ein bisschen ablenken konnte und versuchen konnte, mein altes Ich wieder zu finden. Mein Lächeln das ich sonst immer im Gesicht hatte, strahlende Augen, weil es alles perfekt schien.
Das alles habe ich bis heute nicht wieder gefunden. Seitdem mein Vater nicht mehr bei mir ist, fühle ich mich leer und verlassen, auch wenn ich in seinen letzten Lebensmonaten nicht so oft bei ihm war, aber das lag einfach nur daran, dass ich ihn nicht leiden sehen wollte.
Das liegt jetzt alles etwa sieben Monate zurück und bis heute lebe ich mit der Angst im Nacken einen weiteren geliebten Menschen zu verlieren, denn es ist nur eine Frage der Zeit, wann es den Nächsten oder die Nächste trifft, wenn der Krebs eine weitere Seele in den Tod reißt und dann einfach wieder alles Schlag auf Schlag kommt.


                   [...* ENDE *...]




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